Femizide in Hamburg: Statistik versagt
Mindestens 15-mal wurden Frauen in Hamburg seit Anfang 2025 Opfer eines vollendeten oder versuchten Femizids. Das ergeben die Daten einer Anfrage der Linksfraktion. In neun Fällen überlebten die Betroffenen, sieben Frauen starben. In allen Fällen waren die Täter Männer, überwiegend (Ex-)Partner, aber auch Söhne oder Personen aus dem familiären beziehungsweise nahen Umfeld. Vier der betroffenen Frauen waren krank oder pflegebedürftig, was ihre besondere Verletzlichkeit unterstreicht.
Dazu Hila Latifi, Sprecherin für Feminismus der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Diese Zahlen machen deutlich: Frauen und weiblich gelesene Personen sind in dieser Gesellschaft nicht sicher. Insbesondere dann nicht, wenn sie ohnehin vulnerabel sind. Der Femizid an Asal vor etwas mehr als einem Monat in Hamburg-Wandsbek macht diese Realität auf erschütternde Weise sichtbar.“
Die Femizidforschung weist seit Langem darauf hin, dass potenziell jede ermordete Frau im Kontext patriarchaler Machtverhältnisse als Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt verstanden werden muss. Hila Latifi weiter: „Gerade der Fall Asal zeigt, dass misogyne Gewalt nicht auf intime Beziehungen beschränkt ist, sondern überall dort entsteht, wo Frauen und weiblich gelesene Personen abgewertet, als verfügbar betrachtet oder in ihrer Autonomie infrage gestellt werden.“
Die Statistik des Senats gibt nur einen Teil der Realität wieder. Mindestens ein Femizid taucht darin nicht auf. Die Linksfraktion geht daher von 16 Femiziden seit Anfang 2025 aus.
Hila Latifi: „Die Zahlen allein sind erschütternd und doch ist die Datenlage enttäuschend unvollständig und irreführend. Selbst der öffentlich bekannte Femizid an Alexandra F. im April 2025 ist darin nicht erfasst, was die Defizite in der Erhebung mehr als deutlich macht.
Klar ist: ohne vollständige Erfassung, systematisches Monitoring und klare Verantwortungszuschreibungen bleibt Prävention unzureichend. Die Sicherheit von FLINTA* kann nur gewährleistet werden, wenn neben einer konsequenten Datenerfassung auch patriarchale Strukturen sichtbar gemacht und gesellschaftliche Mechanismen, die Gewalt ermöglichen, wirksam adressiert werden.“
