Berufliche Bildung: Schönwettermeldungen helfen nicht weiter!

  • 20. September 2017

„Der Senat stärkt die berufliche Ausbildung in Hamburg“, verkündete Schulsenator Ties Rabe bei der heutigen Präsentation des Jahresberichts 2016 des Landesinstituts für Berufliche Bildung.
„Das Gegenteil ist der Fall!“, kommentiert Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. Knapp ein Fünftel der jungen Menschen hängt in so genannten Warteschleifen ohne echte Perspektive auf einen guten Ausbildungsplatz fest – und das, obwohl der Senat eigentlich eine „Ausbildungsgarantie“ abgegeben hat. „Beim Übergang von der Schule ins Berufsleben erfüllen die Berufsschulen wichtige Aufgaben. Es kann nicht sein, dass die Zahl der Bildungsangebote an den Berufsschulen durch deren Zusammenlegung reduziert wird.”

Tatsächlich sind die Zahlen ernüchternd: Nur 50 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Ausbildungsvorbereitung haben den Übergang in eine Berufsausbildung oder in eine Beschäftigung geschafft, wie der Halbjahresbericht der Schulbehörde zeigt. Die Behauptung von Senator Rabe, dass eine Berufsausbildung die Aussicht auf einen höheren Schulabschluss biete, hat sich für nur 23 Prozent aller Absolvent_innen bewahrheitet. Zudem hat die Zahl der nicht vermittelten Bewerber_innen im August einen neuen Höchststand erreicht: Knapp 2700 junge Menschen blieben laut DGB Jugend ohne Ausbildungsplatz. „Mit dieser Bilanz kann sich der Senator wahrlich nicht schmücken!“, so Boeddinghaus. „Die individuelle Förderung und Beratung junger Menschen auf ihrem schulischen und beruflichen Bildungsweg muss verstärkt werden. Dazu sollte der Druck auf die Betriebe erhöht werden, damit diese mehr Ausbildungsplätze bereitstellen und die Zahl der öffentlich geförderten Ausbildungsplätze im Rahmen des „Hamburger Modells” aufstocken.“