Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: Afghan*innen appellieren an Hamburgs Senat

Anlässlich des fünften Jahrestages der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 fordert die afghanische Community in Hamburg den Senat zum Handeln auf. So sprechen sich mehrere ihrer Vertreter*innen für eine klare Haltung gegen die Normalisierung der Zusammenarbeit mit den Taliban sowie einen stärkeren Einsatz für die Rechte und den Schutz von Afghan*innen aus. Dazu gehört etwa der Schutz personenbezogener Daten sowie die Feststellung der Unzumutbarkeit, afghanische Botschaften und konsularische Vertretungen kontaktieren zu müssen. Die Linksfraktion unterstützt die Forderungen der afghanischen Community, die eine der größten in Europa ist, und hat dazu einen Antrag eingebracht.

Dazu Hila Latifi, Fachsprecherin für Integration und Antidiskriminierung der Linksfraktion: „Hamburg darf Afghan*innen nicht dazu zwingen, sich für Pässe oder zur Identitätsklärung an diplomatische Vertretungen zu wenden, die unter dem Einfluss der Taliban stehen könnten. Der Senat muss alternative Nachweise anerkennen, Aufenthaltstitel auch ohne eine solche Kontaktaufnahme erteilen und Reiseausweise ausstellen. Niemand sollte für ein Dokument die eigene Sicherheit oder die seiner Angehörigen in Afghanistan gefährden müssen.“

Dazu Reza Qasemi, Vorsitzender des Hazara Kultur und Sport Verein e.V.: „Die Taliban beherbergen mehr als 20 internationale Terrororganisationen, unterdrücken Frauen und Mädchen sowie ethnische und religiöse Minderheiten und sind für die Vertreibung von Millionen Menschen verantwortlich. Eine Zusammenarbeit mit ihnen bedeutet, diese Verbrechen zu legitimieren.“

Dazu Farangis Sawgand, Afghanischer Stammtisch Hamburg: Hamburg muss eine klare Haltung zeigen, politische Verantwortung übernehmen und konsequent für den Schutz afghanischer Menschen sowie die Rechte von Frauen und Mädchen eintreten, auf Landes- und Bundesebene.“

Am 14. August 2026 um 18 Uhr lädt die Linksfraktion zur Afghanistan-Konferenz „Fünf Jahre Taliban-Herrschaft“ ins Rathaus ein. Themen sind die aktuelle Lage in Afghanistan, die deutsche Afghanistan-Politik und der Widerstand der afghanischen Community in Hamburg. Mit dabei sind auch der Hazara Kultur- und Sport-Verein und der Afghanische Stammtisch.