Gewalt gegen Frauen und Mädchen: Hamburg braucht ein Monitoring

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet, jeden Tag überlebt eine weitere nur knapp. Hamburg hat zwar ein Gewaltschutzkonzept zur Umsetzung der Istanbul-Konvention – doch bis heute fehlen eigene Daten, um Ausmaß, Ursachen und Entwicklungen geschlechtsspezifischer Gewalt verlässlich zu erfassen, obwohl Artikel 11 der Istanbul-Konvention dies vorsieht und obwohl das „Gesetz für ein verlässliches Hilfesystem bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt“ die Länder verpflichtet, bis spätestens 31. Dezember 2026 eine Bedarfsanalyse und Entwicklungsplanung vorzulegen.
Die Linksfraktion fordert in der morgigen Bürgerschaftssitzung mit einem Antrag ein Monitoring zu geschlechtsspezifischer Gewalt und Tötungen an Frauen und Mädchen. Ziel ist eine kontinuierliche und systematische Datenerhebung, die bestehende Lücken schließt, Entwicklungen transparent macht und eine bessere Grundlage für Prävention und politisches Handeln schafft.

Dazu Hila Latifi, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburg: „Femizide sind der brutalste Ausdruck patriarchaler Gewalt. Besonders gefährdet sind Frauen*, wenn sie sich trennen, wenn sie Kontrolle zurückgewinnen wollen – aber auch rassifizierte Frauen*, Frauen* mit Behinderung, mit eheabhängigem Aufenthaltstitel oder in prekären Arbeitsverhältnissen. Wir haben Zahlen zu Mord und Todschlag – wissen aber nicht, wie viele dieser Taten tatsächlich geschlechtsspezifisch motiviert sind. Das ist nicht nur ein statistisches, sondern ein politisches Problem. Denn was nicht sichtbar ist, wird nicht bekämpft. Deshalb brauchen wir eine unabhängige Monitoringstelle, die Taten erfasst, Fälle auswertet, Muster sichtbar macht und klare Empfehlungen für Prävention und Schutz entwickelt. Diese Daten sind unverzichtbar, um Frauenleben zu schützen.“