Nein zur Seilbahn!

  • 4. August 2014

St. Pauli braucht eine soziale Stadtentwicklung, keine weitere Eventisierung und neue unkalkulierbare Großprojekte

Mit der Seilbahn über die Elbe gondeln – was auf dem ersten Blick interessant aussieht, bringt bei genauer Betrachtung Verschlechterungen für die betroffenen Stadtteile und nichts für die HamburgerInnen. Deshalb lehnt DIE LINKE die Seilbahn ab und wirbt für Ihr Nein zu diesem Projekt.

Wer hat was von der Seilbahn? 

Niemand behauptet ernsthaft, dass die Seilbahn ein wichtiger Bestandteil der Verkehrspolitik werden kann. Maximal 3000 Fahrgäste können pro Stunde transportiert werden, der HVV braucht hierfür gerade mal zwei lange S-Bahn-Züge und wenige Minuten.

Die Seilbahn ist nicht zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs gedacht. Sie soll lediglich zwei Musicaltheater auf Steinwerder anschließen, deshalb tritt auch das Musicalunternehmen Stage Entertainment als Betreiber und Investor der Seilbahn auf. Das Unternehmen scheint hier eine neue Quelle zum Geldverdienen entdeckt zu haben: Bis zu 15 Euro soll die Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn kosten. Ob eine vierköpfige Hamburger Familie mal eben 60 Euro für eine kurze Fahrt hinlegen kann und will? Der HVV hat übrigens kein Problem, die MusicalbesucherInnen mit Hafenfähren nach Steinwerder zu bringen. Und was passt besser zur Hafenstadt Hamburg als eine Fahrt auf der Elbe?

Die geplante nördliche Station an der U-Bahn St. Pauli würde Planten un Blomen beeinträchtigen und den alten Elbpark zerstören: Zahlreiche Bäume müssten gefällt werden, um Platz für die Seilbahn zu schaffen. Die Menschen im Stadtteil brauchen aber keine Seilbahn, die über ihren Köpfen schwebt. Sie brauchen diese Parks als Naherholungsgebiete und als Grünflächen für sich und ihre Kinder. Auch der hier zu erwartende Anstieg der Verkehrsbelastung spricht gegen die Seilbahnplanung.

Hamburg ist eine Hafenstadt und kein Gebirge. So reizvoll der Blick aus großer Höhe auf Elbe und Hafen auch ist, eine Seilbahn sprengt das Stadtbild. Mitten auf St. Pauli müssen riesige Türme für den Seilbahnbetrieb errichtet werden. Mit einer Höhe von gut 90 Metern werden die Sichtbeziehungen und die historische Kulisse des Michels beeinträchtigt. Die Seilbahnplanungen sind futuristisch, aber ausgesprochener Mist.

Auch als ein weiteres touristisches Event auf St. Pauli ist die Seilbahn völlig überflüssig. St. Pauli und Hamburg sind interessant genug für TouristInnen. So armselig ist das Ansehen der Stadt nicht, dass sie einen gigantischen Wahnsinn auf Stützpfeilern braucht. Und wie schnell private Planungsträume dann doch mit Geldern der Stadt bezahlt werden müssen, sehen wir an der Elbphilharmonie.

Klar ist jedenfalls: Eine Seilbahn brauchen weder die Menschen auf St. Pauli noch die in der Neustadt oder sonstwo in Hamburg. Einen wirklichen Nutzen haben höchstens die Betreiber, nicht umsonst lesen sich die Werbematerialien der Initiative „Pro Seilbahn“ wie ein Werbeprospekt für die Inverstoren. Und diese Unternehmer, die die umstrittene Seilbahn über die Elbe bauen wollen, haben dem Bezirk Mitte nun über zehn Jahre jeweils eine Million Euro versprochen. Anscheinend geht den kommerziellen SeilbahnbefürworterInnen der Allerwerteste auf Grundeis. Deshalb offerieren sie jetzt ein vergiftetes Geschenk: Pro Jahr eine Million für gemeinnützige Zwecke – aber nur, wenn es entsprechend viele NutzerInnen der Seilbahn gibt. Ein Risiko gibt es für die InvestorInnen bei diesem vermeintlichen Geschenk nicht: Maximal neun Prozent der Einnahmen aus den einfachen Fahrten werden dem Bezirk Mitte wie die Möhre dem Esel hingehalten – noch dazu als steuerbegünstigte Spende. Zwei Millionen einfache Fahrten jährlich oder 5500 Fahrten täglich wären erforderlich, damit die Million überhaupt zusammenkommt. Weniger Fahrten bedeuten weniger Geld für den Bezirk. Und wenn es richtig schlecht läuft, dürfen die BetreiberInnen darauf hoffen, dass die Stadt sie nicht im Regen stehen lässt. Wer so agiert, hat kein Vertrauen der BürgerInnen verdient.

Aus all diesen Gründen: Stimmen Sie mit Nein beim Bürgerentscheid!