Safe Abortion Day: Hamburg muss Unterversorgung in der Beratung beenden
Zum internationalen Safe Abortion Day am 28. September fordert die Linksfraktion den Senat auf, die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung endlich ausreichend zu finanzieren. Nach dem gesetzlichen Personalschlüssel benötigt Hamburg 49,51 Vollzeitstellen. Den anerkannten, zuwendungsfinanzierten Beratungsstellen stehen jedoch nur 31,53 Stellen zur Verfügung – eine Lücke von 17,98 Stellen.
Hila Latifi, Fachsprecherin für Feminismus der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Wer eine Beratung gesetzlich vorschreibt, muss auch dafür sorgen, dass sie erreichbar ist. Der Senat rechnet sich die Versorgung schön: Er berücksichtigt ärztliche Kapazitäten pauschal mit bis zu 33 Prozent, obwohl Ärzt*innen nach jüngsten Zahlen nur rund 21 Prozent der Schwangerschaftskonfliktberatungen übernehmen.“
Lara Islinger, Mitorganisatorin der Initiative „Abtreibung entkriminalisieren“: „Die Beratungspflicht, die anschließende dreitägige Wartezeit und die gesetzliche Frist setzen ungewollt Schwangere unter Druck. Beratung sollte ein Recht sein, kein Hindernis. Wir fordern die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Abschaffung der Beratungspflicht.“
Katharina Link, LAG Feminismus (Die Linke): „Der Zugang zur Beratung darf nicht davon abhängen, wo gerade noch zufällig Kapazitäten frei sind, sondern muss für alle Menschen in Hamburg gesichert sein. Die Beschäftigten in Beratungsstellen, Praxen und Kliniken halten die Versorgung schon jetzt unter hohem Druck aufrecht. Sie brauchen verlässlich finanzierte Stellen anstatt immer neuer Engpässe.“
Mit einem Antrag fordert die Linksfraktion in den Haushaltsberatungen der Bürgerschaft, die Kapazitäten der freien Träger kurzfristig um 13,52 Vollzeitstellen zu erhöhen – mindestens aber um 6,59 Stellen, solange ärztliche Kapazitäten pauschal angerechnet werden. Die Finanzierung soll dauerhaft abgesichert und ansteigende Kosten angepasst werden. Künftig sollen nur tatsächlich erbrachte ärztliche Beratungen angerechnet und jährlich eine transparente Bedarfsplanung veröffentlicht werden. Hila Latifi: „Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind Gesundheitsversorgung. Dazu gehören erreichbare, ergebnisoffene, barrierefreie und mehrsprachige Beratungsangebote sowie eine verlässliche medizinische Versorgung. Der Senat muss die seit 2021 bekannte Finanzierungslücke sofort schließen.“
Die Forderungen nach selbstbestimmten Schwangerschaftsabbrüchen und einer verlässlichen Versorgung stehen auch im Mittelpunkt der bundesweit stattfindenden Proteste zum Safe Abortion Day 2026. In Hamburg beginnt die Bündnis-Demonstration am 28. September 2026 um 18 Uhr am Bahnhof Sternschanze. Die Linke ruft dazu auf, sich der Demonstration anzuschließen.
