Schutz vor sexualisierter Gewalt: Hamburg duckt sich weg
Hamburg versagt beim Schutz vor sexualisierter Gewalt. Eine Anfrage der Linksfraktion zeigt, dass die bestehenden Strukturen gravierende Lücken aufweisen – sie reichen bei Weitem nicht aus, um Frauen*, Mädchen und Kinder effektiv zu schützen.
Dazu Hila Latifi, Fachsprecherin für Feminismus der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die offiziellen Polizei-Zahlen verschleiern die tatsächliche Dimension des Problems, da sie nur abgeschlossene Ermittlungsverfahren abbilden und damit weder die hohe Dunkelziffer noch laufende Verfahren berücksichtigen. Besonders alarmierend ist auch, dass Täter- und Opferdaten nicht systematisch verknüpft werden und Angaben zu Alter, Geschlecht oder der Beziehung zwischen Täter und Opfer kaum verfügbar sind. Ohne diese Daten kann keine zielgerichtete Prävention erfolgen. Wer nach sexualisierter Gewalt psychologische Hilfe sucht, muss oft monatelang auf einen Platz warten oder findet gar kein passendes Angebot. Auch bei der Prävention herrscht Stillstand: Zwar gibt es Workshops, Theaterprojekte und digitale Formate, doch sie werden nicht systematisch ausgewertet. Niemand weiß, ob diese Maßnahmen tatsächlich etwas bewirken oder nur symbolische Wirkung entfalten. Besonders eklatant ist, dass Hamburg seit 2015 keine eigenständige Kampagne zu sexualisierter Gewalt mehr durchgeführt hat. Das Thema verschwindet damit aus der öffentlichen Wahrnehmung – und mit ihm die Betroffenen, deren Schutz eigentlich Priorität haben müsste. Hamburg darf sich nicht länger wegducken – die Stadt muss die Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention umsetzen. Dazu gehört: pro 200.000 Einwohner*innen ein Krisenzentrum für sexualisierte Gewalt – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt! Jede Verzögerung bedeutet, dass Betroffene weiter allein gelassen werden – das ist politisches Versagen.“
