Bezirksämter in Not: 744 Stellen können nicht besetzt werden

Die Bezirksämter in Hamburg stehen weiterhin unter hohem Druck. Wie eine Anfrage der Linksfraktion zeigt, waren zum 30. Juni dieses Jahres 743,7 Stellen in den Bezirksämtern nicht besetzt. Besonders hoch fiel die Quote vakanter Stellen im Bezirksamt Mitte (12,79 Prozent) und in Wandsbek (11,03 Prozent) aus.

Dazu Marco Hosemann, bezirkspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Bezirksämter sollen die Grundversorgung der Stadt gewährleisten, sie sind die Ansprechpartner der Stadt für alle Belange der Bürger*innen. Die anhaltende Personalnot ist nicht hinnehmbar. Besonders schlimm ist die Situation ausgerechnet im Bereich des Bürgerservices. Wenn dort, wie im Bürgerservice Hamburg-Nord oder im Bereich Bauen und Umwelt in Mitte, fast jede dritte Stelle nicht besetzt ist, können wir doch nicht von einer funktionierenden Verwaltung sprechen. Der Hintergrund für den Personalmangel ist dabei nicht, dass es keine Fachkräfte gibt. Sie bewerben sich nur nicht, weil sie sich vom Gehalt das Leben in Hamburg nicht leisten können.“

Dazu David Stoop, Sprecher für den öffentlichen Dienst der Linksfraktion: „Die Personalpolitik des Senats ist eine Katastrophe. In den Bezirksämtern ist der Senat nicht in der Lage, die sowieso schon zu niedrig angesetzte Personalabdeckung überhaupt zu erreichen. Das hat direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten: Insbesondere im Bereich der Grundsicherung stehen diese unter hohem Druck. Das legt zumindest die hohe Krankenquote nahe. Trauriger Spitzenreiter ist das Bezirksamt Hamburg-Mitte mit 17,7 Prozent Krankenstand im Grundsicherungsbereich. Das trifft neben den Beschäftigten ausgerechnet diejenigen besonders hart, die am meisten auf eine funktionierende Verwaltung des Sozialstaates angewiesen sind. Mit einer kleinen Lohnzulage für bürgernahe Dienstleistungen wird dieser Personalnotstand nicht zu beheben sein. Gerade für die Bezirksämter brauchen wir eine tragfähige Lösung, die die Belastung der verbliebenen Beschäftigten reduziert und echte Anreize für Neueinstellungen bietet.“