Gleichstellungsmonitor: Ungleichheit wird lediglich verlagert

Die aktuelle Fortschreibung des Hamburger Gleichstellungsmonitors zeigt besorgniserregende Ergebnisse: Ungleichheit verschwindet nicht, sie wird entlang von sozialer Lage und Herkunft neu organisiert. Auf dem Arbeitsmarkt verdienen Frauen in Hamburg immer noch durchschnittlich 17 Prozent weniger als Männer. Der Gender-Gap-Arbeitsmarkt, der Einkommen, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung berücksichtigt, beträgt sogar 33 Prozent. Von erfolgreicher Gleichstellung kann keine Rede sein: Viele Tätigkeiten in haushaltsnahen Dienstleistungen werden weiterhin überwiegend von Frauen ausgeübt; zunehmend von migrantischen Frauen, die gleichzeitig zu den einkommensschwächsten Gruppen der Stadt gehören. Mehr als die Hälfte von ihnen verfügt über kein Einkommen oder höchstens 1.000 Euro im Monat.

Dazu Hila Latifi, Fachsprecherin für Feminismus der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: Die gesellschaftlich notwendige Care-Arbeit wird auf diejenigen Frauen verlagert, die ohnehin geringere Einkommen, schlechtere Aufstiegschancen und weniger gesellschaftliche Anerkennung haben. Der Gleichstellungsmonitor dokumentiert, wie gleichstellungspolitische Ungleichheit lediglich ihre Form verändert und unterschiedliche Gruppen von Frauen in unterschiedlichem Ausmaß trifft. Hamburg braucht eine Gleichstellungspolitik, die Geschlecht, Migration und soziale Ungleichheit zusammendenkt und die Lebensrealität derjenigen in den Mittelpunkt stellt, die bislang am wenigsten von den behaupteten Fortschritten profitieren.“