Mobbing an Schulen erfassen – und bekämpfen!

  • 20. Januar 2019

Mobbing an Schulen ist ein wesentlich größeres und folgenreicheres Problem, als die Schulbehörde wahrhaben will. Darauf deutet auch eine Anfrage (Drs. 21/14809) der Fraktion DIE LINKE hin. Mit einem Antrag zur nächsten Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft will die Fraktion daher unter anderem die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle zur umfassenden Erhebung und Evaluierung von Mobbing erreichen. „Die Missachtung der seelischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen an dem Ort, an dem sie die meiste Zeit des Tages verbringen, der Schule, häuft hohe Folgekosten an: psychische und psychosomatische Auffälligkeiten, Schulangst und -frust, Schulabsentismus, Konflikte mit den Institutionen bis hin zur Zerrüttung von Familien durch Sorgerechtsaberkennung“, erklärt Sabine Boeddinghaus, die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. „Für das vergangene Schuljahr erfasst die Behörde 174 Fälle – legt man aber die Ergebnisse der letzten Pisa-Studie an, müssen wir von rund 30.000 betroffenen Schüler_innen in Hamburg ausgehen. Es ist nicht erkennbar, dass sich die Schulbehörde ernsthaft und entschieden um dieses Thema kümmert.“

Zwar steht den Schulen ein Flickenteppich an Maßnahmen zur Verfügung, doch gibt es weder eine Kontrolle ihrer Wirksamkeit noch ein griffiges Konzept zur Eindämmung von Mobbing – die Bearbeitung der Fälle wird einfach den Schulen überlassen. „Ich habe den Eindruck, die Schulbehörde hat weder Idee noch Plan, welche Erfahrungen Kinder und Jugendliche an Schulen machen“, kritisiert Boeddinghaus. „Die Schulen stehen unter enormem Druck. Deshalb beantragen wir als Grundstein zur systematischen Bekämpfung von Mobbing an Hamburger Schulen die zentrale Datenerhebung durch die Behörde und die Prüfung einer unabhängigen, außerschulischen Beschwerdestelle, an die sich Lehrer_innen und Schüler_innen wenden können. Das wäre ein wichtiger Schritt, um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu schützen und ihnen einen würdevollen, sicheren und demokratischen Bildungsweg zu bieten.“