Skandal um DSC Hanseat: Fußballvereine müssen sexualisierte Gewalt in ihren Strukturen bekämpfen

Der aktuelle Fall beim Hamburger Verein DSC Hanseat zeigt, wie dringend eine konsequente Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt im Fußball ist. Der Verein setzt einen Spieler weiterhin ein, der in Finnland in zwei Instanzen wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Die Verurteilung ist nach bisheriger Berichterstattung noch nicht rechtskräftig. Mehrere gegnerische Teams haben deshalb darauf verzichtet, gegen das Team des DSC Hanseat anzutreten. Das nächste Pflichtspiel des Dulsberger Vereins in der Bezirksliga ist am kommenden Sonntag gegen den TSV Sasel II angesetzt.

Dazu Hila Latifi, Fachsprecherin für Feminismus der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Sexualisierte Gewalt findet überall statt, auch im Sport. Wenn Vereine sich bei einem in zwei Instanzen wegen Vergewaltigung verurteilten Spieler hinter dem noch laufenden Verfahren verstecken, entziehen sie sich ihrer Verantwortung und schützen den Spieler. Vereine müssen sich ernsthaft damit auseinandersetzen, wie sie mit sexualisierter Gewalt in den eigenen Strukturen umgehen. Dass gegnerische Teams für ihre Haltung sportliche Nachteile erleiden, kehrt Täter-Opfer-Dynamiken im Verbandssport um. Die Verbände müssen diese Teams unterstützen und verbindlich regeln, unter welchen Voraussetzungen Spieler nach einer Verurteilung wegen sexualisierter Gewalt vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden.“

Dazu Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Wir solidarisieren uns mit den stabilen Vereinen, die sich durch ihren Nichtantritt klar positionieren. Vereine müssen sich ihrer Verantwortung stellen, wenn es um sexualisierte Gewalt durch Personen aus den eigenen Strukturen geht. Einzelne Sätze in Vereinssatzungen sowie Schutzkonzepte und Handlungsleitfäden auf Verbandsebene allein reichen nicht aus. Das muss dann auch in den einzelnen Vereinen umgesetzt und in diesem konkreten Fall mit Leben gefüllt werden. Bis zum kommenden Sonntag hat der Verein aus Dulsberg die Chance für einen ersten Schritt und kann den betreffenden Spieler aus dem Kader streichen.“