LINKE und GEW fordern angemessene Bezahlung an der Volkshochschule

  • 7. Juni 2018

Kursleiter_innen an der Volkshochschule Hamburg werden weiter als Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt: Oft hochqualifiziert, werden sie weder angestellt noch angemessen bezahlt. Das zeigt eine Anfrage (Drs. 21/13208) der Fraktion DIE LINKE in Reaktion auf einen Offenen Brief der Kursleiter-Vertretung an die Hamburgische Bürgerschaft. „Der Senat nimmt weder Anliegen noch Not der Betroffenen ernst“, kritisiert Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. „Stattdessen tut man im Rathaus so, als ginge es ausschließlich um Menschen, die diese Arbeit als Nebenerwerb betrieben. Das ist zynisch und ignorant.“

Tatsächlich leben laut Senatsantwort viele Kursleitende von dieser Arbeit. Derzeit sind rund 25 Prozent zu über 450 Euro pro Monat beschäftigt, fünf Prozent erarbeiten sogar mehr als 17.500 Euro Honorar jährlich. „Die VHS ist ein Landesbetrieb, leistet wichtige und dringend nötige Bildungsarbeit“, so Boeddinghaus. „Aber seit Jahren muss sie sich großteils selbst finanzieren und kann Kurse nur mit Freiberufler_innen anbieten, die sich komplett privat versichern müssen und von denen viele Monat für Monat nicht wissen, ob die Aufträge zum Leben reichen. Das ist allein schon eine Schande. Dass der Senat aber nicht einmal bereit ist zu zahlen, was der Bund und andere Städte längst bezahlen, ist unverantwortlich.“

„Diese Praxis wird auf kurz oder lang dazu führen, dass noch mehr Kursleitende sich von der Volkshochschule abwenden und Bildungsqualität und -angebot für alle Bürger_innen sowie die Integration für erwachsene, nicht deutschsprachige Neuhamburger_innen zunehmend gefährdet werden“, ergänzt Dirk Mescher, Geschäftsführer der Gewerkschaft GEW. „Zuschüsse zu Renten- und Krankenversicherung für alle Kursleitenden, die ihre Existenz aus ihrer Tätigkeit bestreiten, sowie eine bessere Bezahlung für alle Honorarkräfte sind darum dringend notwendig und lange überfällig.“

Mehr als zwei Drittel der Kurse leiten Frauen, die viel häufiger als Männer von Brüchen im Berufsleben und unsicheren Erwerbsverhältnissen mit geringen Altersbezügen betroffen sind. Auch deshalb fordern DIE LINKE und die GEW vom Senat, als ersten Schritt für alle Kräfte zumindest 35 Euro Honorar pro Kursstunde im kommenden Haushalt zu garantieren.