Vielfalt bei Olympia: Für den Senat gilt das nur selektiv

Das IOC hat im vergangenen Monat verkündet, künftig verpflichtende Geschlechtertests bei allen Sportler*innen durchzuführen, die in der Frauenkategorie antreten. Die Tests dienen in erster Linie dazu, trans* Frauen auszuschließen und bringen eine Reihe an Folgeproblemen mit sich. So treffen die umstrittenen SRY-Tests keine Aussage über eine verbesserte sportliche Leistungsfähigkeit der getesteten Personen und sind 1999 wieder abgeschafft worden, nachdem sie ab 1992 schon einmal im Einsatz waren. Wie eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft zeigt, wirbt der Senat zwar öffentlich mit dem Begriff der „Vielfalt“ beim Thema Olympia. Wenn es aber in der Geschlechterfrage konkret darum geht, wie diese Vielfältigkeit umgesetzt werden soll, dann zieht er sich auf die gerichtliche Überprüfbarkeit von Teilnahmebedingungen zurück.

Carola Ensslen, queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion: „Wenn Vielfalt nicht alle einschließt, ist es keine Vielfalt. Mit seinen leeren Worthülsen zu Diversität zeigt der Senat eine bedenkliche Haltungslosigkeit. Anstatt sich konkret für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen, schleicht er sich mit Verweis auf die Teilnahmebedingungen des IOC und deren gerichtliche Überprüfbarkeit aus der Verantwortung. Es ist die politische Aufgabe dieses Senats, Druck auf das IOC auszuüben, anstatt dessen rechten Kulturkampf zu unterstützen.“

Martin Wolter, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Einmal mehr erweist sich Olympia in Hamburg als eine Fehlentscheidung. Der Erste Bürgermeister spricht über Olympia als ‚großartiges Zeichen der Vielfalt und Weltoffenheit‘ und meint eigentlich: Olympia soll um jeden Preis stattfinden, egal, wem es schadet und ob Geschlechtergerechtigkeit mit Füßen getreten wird.“